Was ist SomatoSensible Psychodynamik (SSP)?
- ist eine beziehungsorientierte körperpsychotherapeutische Therapie
- verbindet neuroaffektive Regulation durch Berührung
- adressiert gleichzeitig die zentralen Muster von Kontakt und Kontaktverlust, Regulation und Dysregulation wie auch die Entwicklung von persönlichen Stärken und die Integration der in abgespaltenen Anteilen gebundenen Lebenskraft
- ist ein Wachstumsmodell, das im Gegensatz zu anderen Therapiemodellen, die gleichzeitige Arbeit sowohl an den Stärken als auch an den Symptomen betont
- orientiert sich an inneren und äußeren Ressourcen, um die Entwicklung zunehmender Fähigkeit von Selbstregulation, Kontaktfähigkeit und einen authentischen Ausdruck des Selbst zu unterstützen.
Wann ist SSP hilfreich?
- Regulation des „sozialen“ Nervensystem
- Stressregulation für Gehirn, Organe und Drüsen
- Affektentwicklung, -toleranz, -verkörperung und -ausdruck
- Abbau von toxischem (chronischer) Stress, zum Beispiel Burnout
- Abbau und Integration der Folgen von Trauma und Schmerzsyndromen
Wie arbeiten wir mit SSP?
In der „SomatoSensible Psychodynamik (SSP)” arbeiten wir an der Schnittstelle von Körper und Psyche. Dabei werden ganzheitliche Ansätze genutzt, die sich u.a. mit frühen Bindungserfahrungen, präverbalen Zuständen, psychosomatischen Syndromen, Verletzungen, körperlichen und seelischen Traumata oder Zuständen von nervöser Anspannung oder Dissoziation befassen.
Ganzheitlich heißt hier:
- Erkunden von Mustern und Umgangsformen im Zusammenhang mit schwierigen Erfahrungen, die sich auf allen Ebenen des Erlebens zeigen
- Einbezug und Integration von körperlichen, emotionalen, kognitiven, energetischen und relationalen Aspekten in den Heilungsprozess anhand von differenzierten Interventionen
Das Besondere an SSP ist, dass wir sowohl körpertherapeutische als auch psychotherapeutische Ansätze integrieren, vertiefen und voneinander lernen können. Übergreifend geht es um die Wiederherstellung von Kohärenz und Verbindung als zentrales Heilungsprinzip: zu sich selbst, dem eigenen Körper, den Gefühlen, der Umwelt und den anderen. Mit anderen Worten: Entwicklung von größerer Kapazität mit dem Zuwachs an Wahlmöglichkeiten und Spielraum für Gestaltung.
Beispiele:
Beispiel 1 (vereinfacht): Ein Reizdarmsyndrom kann mit langanhaltenden Stresszuständen verknüpft sein, die mit psychodynamischen Konflikten korrelieren:
- es manifestiert sich körperlich (Hormone, sympathische Aktivierung, verändertes Mikrobiom etc.),
- wird von stressassoziiertem Verhalten wie hastigem Essen/wenig Pausen verstärkt,
- fußt auf psychodynamischen Mustern wie z.B. der Abwehr von Wut und dem Verzicht auf Autonomie im Dienste der Bindungssicherung,
- und wird von Glaubenssätzen wie „Ich muss es den anderen recht machen, sonst werde ich nicht geliebt“ begleitet.
Beispiel 2 (vereinfacht): Psychodynamische Anpassungsstrategie der Vermeidung von Gefühlen wie Wut, Ohnmacht, Hilflosigkeit und Trauer kann in somatische Erschöpfung und chronischen Stress führen:
- Frühe Erfahrungen von Ohnmacht, Verlassenheit und Verzweiflung werden als Kind überwältigend erlebt und in der Folge verdrängt und vermieden.
- Protest in Bezug auf eine auf die Bedürfnisse des Kindes nicht-eingestimmte Umgebung wird früh aufgegeben, wenn es nicht gehört, bestraft, ignoriert oder beschämt wird.
- Um seelisch zu überleben und die Bindung zu den Eltern zu sichern, muss sich das Kind an die Defizite anpassen und entwickelt Strategien, wie z.B. Konfliktvermeidung, Überanpassung, passive Aggression, Bedürfnisverzicht oder dramatisches Ausagieren von Kränkungen.
- Diese (Anpassungs-) Muster werden im Verlauf des Lebens zur Belastung und führen zu chronischem Stress und Erschöpfung, dissoziativen Phänomenen, Vermeidungsverhalten und Einengung des Lebens, Symptomen ohne organischen Befund oder hinreichende Erklärung durch die Lebensumstände.
Berührung und ihre Bedeutung für physische, emotionale, kognitive und soziale Entwicklung
Untersuchungen zeigen, dass Berührung, noch bevor sich die Fähigkeit zur Sprache entwickelt, eine wesentliche Grundlage unserer frühesten Bindungserfahrungen ist – der grundlegende Modus einer eingestimmten Beziehung zwischen Bezugsperson und Kind. Durch Berührung entwickeln wir ein Bild unseres Körpers und seiner Grenzen, das all unsere Erfahrungen auf neurophysiologischer, emotionaler, verhaltensbezogener und kognitiver Ebene enthält. Unsere Identität, ursprünglich basierend auf einer gut oder weniger gut regulierten Physiologie, entwickelt sich durch die Internalisierung der frühen Beziehungsdynamiken. Wir lernen früh und wiederholen später bestimmte Anpassungsmuster (Strategien, Lektionen), wie wir uns auf uns Selbst, Andere und die Welt beziehen.